Yin-Fülle
Yin-Fülle: wenn Kälte, Feuchtigkeit und Schleim den Körper beherrschen
Yin-Fülle ist das dritte grundlegende pathologische Muster innerhalb der Yin-Yang-Theorie der Traditionellen Chinesischen Medizin. Es beschreibt einen Zustand, in dem pathogene Yin-Faktoren — Kälte, Feuchtigkeit oder Schleim — überwiegen und typische Kälte- und Feuchtigkeitsbeschwerden hervorrufen. Wie Yang-Fülle ist auch Yin-Fülle ein Fülle-Muster: Ein pathogener Faktor ist tatsächlich im Übermaß vorhanden. Die Behandlung zielt daher auf dessen Beseitigung.
Vier Arten der Yin-Fülle
Die erste Form ist äußere Kälte, die direkt in das Innere eindringt und tiefere Organe erreicht, ohne zuvor ein oberflächliches Stadium zu durchlaufen. Traditionelle Beispiele sind plötzlich auftretende Magen- oder Darmkrämpfe nach dem Verzehr kalter Nahrung oder Kälte im Uterus mit starken Menstruationsschmerzen.
Die zweite Form ist äußere Kälte, die Meridiane und Gelenke angreift und das klassische Bi-Syndrom beziehungsweise Schmerzhaftes-Obstruktions-Syndrom hervorruft. Kälte zieht die Meridiane zusammen und blockiert den Qi-Fluss. Dadurch entstehen starke, lokalisierte Schmerzen, die sich bei Kälte verschlimmern und durch Wärme bessern.
Die dritte und vierte Form sind innere Feuchtigkeit und innerer Schleim. Beide entstehen durch Flüssigkeiten, die nicht ausreichend transformiert wurden. Feuchtigkeit kann sich als Ödeme, Schweregefühl und trüber Urin zeigen. Schleim ist eine verdickte Form pathologischer Flüssigkeit und wird in der TCM mit Knoten, Zysten und Schwellungen verbunden; bei einer Blockade des Herzens kann Schleim nach traditioneller Theorie auch den Geist beeinträchtigen.
Das Paradox: Yin-Fülle und Yang-Mangel gleichzeitig
Innere Feuchtigkeit und Schleim sind Yin-Fülle-Muster, entstehen jedoch häufig auf der Grundlage eines Yang-Mangels. Wenn Yang Flüssigkeiten nicht ausreichend transformieren und bewegen kann, sammeln sie sich an. So entsteht ein kombiniertes Muster: Yang-Mangel als Ursache und Yin-Fülle als Folge. Die Behandlung muss daher sowohl Yang stärken als auch die pathologische Yin-Ansammlung lösen.
Symptome und Behandlung
Yin-Fülle verursacht typische Kältezeichen wie Kältegefühl, kalte Extremitäten, Schmerzen und blassen oder klaren Urin. Häufig betroffen sind Darm, Lunge, Uterus und Magen. Bei Kälte-Fülle besteht die Behandlung im Erwärmen und Vertreiben der Kälte, beispielsweise mit erwärmenden Kräutern und Moxibustion. Feuchtigkeit und Schleim werden mit transformierenden und lösenden Methoden behandelt, gegebenenfalls kombiniert mit einer Stärkung des Yang.